Klaus Ender
Websites: www.klaus-ender.de, www.klaus-ender.com.
Erstellt: 14-Oct-2006
Klaus Ender (* 2. April 1939 in Berlin-Neukölln), deutscher Fotograf österreichischer Abstammung; erzielte zwischen 1964 und 1980 auf nationalen und internationalen Fotosalons über 60 Medaillen, Urkunden und Preise.
Leben und Werk
Kindheit: Weltkrieg und Vertreibung
Klaus Ender wurde am Vorabend des Zweiten Weltkriegs als uneheliches Kind geboren; Hitler war Reichskanzler und hatte im Januar die »Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa« angekündigt [1]; die Nürnberger Rassengesetze waren bereits größtenteils in Kraft und deutscher Truppen waren in Böhmen und Mähren einmarschiert. Enders Kindheit war durch Krieg und die Abwesenheit seines Vaters Theo (eigtl. Thaddäus) geprägt, der bereits Ende 1938 zum Kriegsdienst eingezogen worden war.
Nach der Trennung von Theo heiratete Enders Mutter Else um 1942 Theos Bruder Franz Ender und adoptierte den kleinen Klaus: »So kam es für mich [...] zur irritierenden Tatsache, dass mein leiblicher Vater mein Onkel und mein wirklicher Onkel zu meinem Vater wurde« (Ender 2004: 5). Allerdings verlor Klaus Ender bald auch seinen Adoptivvater, der ebenfalls zum Kriegsdienst eingezogen wurde, sowie als Folge einer Masernerkrankung 90 Prozent der Sehkraft seines linken Auges – und damit auch zeitlebens das räumliche Sehen (Ender 2004: 4).
Nach der bedingungslosen Gesamtkapitulation der Deutschen Wehrmacht [2] wurde Ender und seine Mutter von russischen Besatzungstruppen aus ihrer Wohnung in Landsberg vertrieben; zu Fuß folgte eine Flucht über die Oder bis nach Berlin und von dort mit dem Zug nach Wittenberge. Durch schlechte Hygiene und mangelhafte Ernährung erkrankte Ender – wie auch viele andere Flüchtlingskinder – immer wieder an verschiedenen Infektionskrankheiten und Geschwüren, wurde jedoch schließlich im September 1945 eingeschult. Auch nach der Währungsreform (1948) und der Gründung der DDR (1949) verbesserte sich die Versorgungslage nur sehr langsam, Enders Mutter heiratete jedoch erneut: der Tischler Albert wurde im Dezember 1950 Klaus' neuer Stiefvater.
Jugend: Ringkampfsport und Berufsausbildung
Die Suche nach einer Lehrstelle erwies sich für Ender aufgrund eines »mangelhaft« in Betragen als schwierig und verhinderte eine Ausbildung in seinem Wunschberuf Förster; stattdessen nahm er im September 1954 eine Beckerlehre auf und bestand ein Jahr später die Zwischenprüfung im Bäckerhandwerk. In dieser Zeit begann Ender in der Betriebssportgemeinschaft (BSG) »Lokomotive« mit dem Ringkampfsport in der Gewichtsklasse »Fliegengewicht« (Enders damaliges Kampfgewicht: 48 Kilo) bis 1957 wurde er zweiter und dritter Bezirksmeister des Bezirkes Schwerin und zweiter SV-Meister (Ender 2004: 42).
Übersiedelung in die BRD: Gesellenprüfung und erster Fotoapparat
Durch die Wiederbewaffnung der BRD – Beitritt zur EVG (1952) und zur NATO (1956) sowie Gründung der Bundeswehr (1955) – spitzte sich das Verhältnis zur DDR zu, die ihrerseits die Nationale Volksarmee gründete (1956); zudem wurden in der DDR ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend private Unternehmen enteignet, was bis 1956 rund 1,72 Millionen Bürger veranlasste, das Land in Richtung West-Berlin oder Westdeutschland zu verlassen; ab 1957 wurde »Republikflucht« dann offiziell als Straftatbestand betrachtet. In dieser angespannten politischen Situation verließ Ender im Mai 1957, kurz vor Abschluß seiner Beckerlehre, mit einem Interzonenpass die DDR; seine beharrliche Weigerung, an paramilitärischen Übungen teilzunehmen, hätte ein erfolgreiches Ablegen der Facharbeiterprüfung verhindert (Ender 2004: 44 f.). Über Hamburg gelangte er nach Baienfurt bei Weingarten und schließlich nach Friedrichshafen, wo er auch seine Gesellenprüfung folgreich ablegte.
In Friedrichshafen kam Ender auch erstmals ktiv mit der Fotografie in Kontakt; von Erspartem und seinem ersten Gesellenlohn zahlte er seine erste Kamera an: eine Kodak Retina 1b mit Lichtstärke 2,8 und einem Synchro-Compur-Verschluss. Fotografische Kenntnisse eignete er sich durch die Bedienungsanleitung der Kamera und Studium der Broschüre »Wie fotografiere ich« an (Ender 2004: 52 f.). Ender nahm auch seine Ringsporttätigkeit wieder auf, trat in den Ringerverband SV-29 Kempten ein und wurde bei den schwäbischen Meisterschaften 1958 Vizemeister. Trotz dieser Erfolge wurde Ender im »Westen« nicht heimisch, erwog die Auswanderung nach Australien und plante schließlich seine Rückkehr in die DDR.
Rückkehr in die DDR: Vater, Schichtarbeiterund Amateurfotograf
Im Juni 1958 kehrte Klaus Ender mit dem Fahrrad über Würzburg, Bamberg und Hof in die DDR zurück; für drei Wochen wurde er in einem Umerziehungslager bei Rudolphstadt (Thüringen) politisch 'geschult' und schließlich wieder eingegliedert. Er nahm eine Tätigkeit als Bäcker in der HO auf, kehrte zu seiner alten Ringermannschaft zurück und lernte im Frühsommer 1959 die 16-jährige Margret kennen, mit der er die Tochter Sylvia zeugte. 1960 schloss er sich einem Fotoclub in Wittenberge an.
Um die kleine Familie ernähren zu können, nahm Ender eine Tätigkeit als Zellstoff-Kocher in den Zellstoff-Zellwollewerken Wittenberge auf; die harte und schwer gesundheitsschädigende Arbeit im Drei-Schicht-System verbesserte zwar Enders finanzielle Situation, brachte ihm jedoch auch eine Blutvergiftung und Furunkeln ein. Auf ärztliche Anweisung mußte er seine Arbeitsstelle wechseln und arbeitete darauf als Hilfsdreher im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Wittenberge. Hier wurde er bald erneuten Agitationen ausgesetzt, sich 'freiwillig' bei der Nationalen Volksarmee (NVA) zu melden; auch diesem Druck widersetzte sich Ender.
Eine geplante Hochzeit mit der nunmehr 18-jährigen Margret scheiterte in letzter Minute, und Ender trat die Hochzeitsreise in Bansin auf der Insel Usedom alleine an. Einige Monate später folgte die Versöhnung, und Ender erhielt von Margret zu Weihnachten eine Filmentwicklungsdose geschenkt – der Beginn einer intensiven Beschäftigung mit der Labortechnik. Fortan widmete sich Ender mit wachsendem Interesse der Amateurfotografie und der Dunkelkammerarbeit. 1961 nahm er dann auch an der ersten Kreisfotoschau in Wittenberge teil, war jedoch noch immer im Ringkampfsport aktiv. Auf Drängen seine Partnerin widmete er sich jedoch verstärkt der Fotografie, bis Margret im Januar 1962 nach einem Streit im Freitod aus dem Leben schied.
Schuldgefühle und der schwere Verlust führten bei Ender zu einer Art Nervenzusammenbruch; er begab sich in psychologische Betreuung und wurde mit Psychopharmaka behandelt. Trotz langsamer Besserung des Gesamtzustands blieben schwere Kopfschmerzen, die Ender fortan sein Leben lang begleiten sollten.
Perspektivwechsel: Ostsee und Aktfotografie
Ender zog 1962 nach Rügen, wo er 1964 den Fotoclub Sassnitz gründete und leitete; arbeitete in der DDR als Volkskorrespondent; veröffentlichte 1964 in einer westdeutschen FKK-Zeitschrift Aktfotografien; 1966 begann er in Binz seine Laufbahn als freischaffender Fotograf; 1969 veröffentlichte er in der Neuen Berliner Illustrierten Aktfotografien. Sein erstes Buch »Mein Modell« erschien 1970 im Fotokino-Verlag Leipzig.
1972 zog Ender nach Potsdam; in den kommenden Jahren gelang ihm der Durchbruch zu einem der führenden Fotografen der DDR; das Fernsehen der DDR drehte drei Filme über seine Arbeit; Zusammenarbeit mit über 50 Verlagen; wurde einer der meist publizierten Aktfotografen der DDR und war ständiger Autor im »Eulenspiegel« und in »Das Magazin«.
1975 rief er mit Gerd Rattei die erfolgreichste Fotoausstellung in der DDR »Akt & Landschaft« ins Leben, die in sechs Städten von über 100.000 Menschen gesehen wurde. 1978 wurde »Akt & Landschaft« als Triale ins Kulturprogramm der DDR aufgenommen und zum Leistungsvergleich der Fotografen der DDR erhoben. Ender leitete die Arbeitsgruppe »Farbfotografie« des Landes Brandenburg, war künstlerischer Leiter des Automobilwerkes Ludwigsfelde und Werbefotograf der VVB TAKRAF. Auszeichnung mit der Ehrennadel für Fotografie in Bronze, Silber und Gold. 1979 Auszeichnung des Weltverbandes für Kunstfotografie (FIAP) mit dem internationalen Ehrentitel ARTISTE FIAP (AFIAP).
1981 Übersiedlung nach Österreich, 1989 internationaler Durchbruch. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, darunter Poesie- und Bildbände sowie Fach- und Lehrbücher; 1. Preis für das »Tourism Poster of the Year« beim »World Travel Market« in London. Gründung des »Art Photo Archiv Klaus Ender«.
In den 1990er Jahren Durchführung von Workshops für Color Foto, Veröffentlichungen in der deutsch-schweizerische Zeitschrift PHOTOGRAPHIE und in über einem Dutzend internationaler Fachzeitschriften. Über 50 Kalender, über 100 CD-Cover u.a.
1996 Rückkehr zur Insel Rügen. Zwischen 1997 und 2002 insgesamt zwölf Fotoausstellungen auf Hiddensee, Rügen, in Malchow, Magdeburg und bei Leica in Solms.
Am 2. Dezember 2004 erschien seine Autobiografie »Die nackten Tatsachen des Klaus Ender – Ein Leben zwischen Ost und West« im WEVOS Verlag.
Publikationen
Klaus Ender veröfentlichte bis 2003 insgesamt 90 Bücher, darunter zahlreiche Bild- und Gedichtbände sowie einige Lehr- und Fachbücher sowie eine Autobiografie.
| Ausgewählte Publikationen von Klaus Ender | ||
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2004 | Die nackten Tatsachen des Klaus Ender [Autobiografie]. Wevos. Format: 16,0 cm x 22,5 cm. 216 Seiten. Bildteil mit 135 Fotografien. ISBN 3-937547-03-7 (2. Aufl. Januar 2005). |
| »Der Autor schildert sein Leben ehrlich und offen, er schont sich nicht, verschweigt nichts und lässt uns teilhaben an den vielen Höhen und Tiefen, Freud und Leid – und davon gab es reichlich in seinem Leben! Der Leser ist gefesselt von diesem Leben, von dem Leiden und der Not als Kriegs- und Nachkriegskind, das Hunger, Kälte und Brutalität aushalten muss, und von dem ungebrochenen Lebenswillen dieses Mannes, der alle Hürden meistert. Man ist nicht immer auf seiner Seite, keineswegs, aber wer macht keine Fehler im Leben, die er später bitter bereut?
Dieses Buch ist so spannend und facettenreich wie ein guter Roman. Darüber hinaus bekommt der Leser Einblick in eine Welt, die den allermeisten fremd sein dürfte – die DDR und wie sie funktionierte, zunächst aus der Sicht eines ganz normalen Arbeiters, der politisch unbequem war, später aus der Sicht eines Privilegierten, der nützliche Beziehungen hatte und so Zugang zu Dingen, die vielen anderen verwehrt blieben, andererseits aber politisch und vom Überwachungssystem MfS stark unter Druck gesetzt wurde. Das ist gelebte deutsche Zeitgeschichte! 'Die nackten Tatsachen des Klaus Ender' - persönlich, packend, schonungslos offen und berührend« (Verlagsinformation). |
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| Website: www.klaus-ender.de/publikat/buecher/biographie.html. Verlag: www.wevos.de/wevos/Buecher/3-937547-03-7/buch.htm. |
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1997 | Akt mit Takt (mit 60 Aktfotografien von Klaus Ender und 60 Gedichten von Hansgeorg Stengel). Resch, Meiningen. Format: 20,5 x 21,5 cm. 128 Seiten. ISBN: 3980594203. |
| Website: www.klaus-ender.de/publikat/buecher/akt1.html. | ||
| 1970 | Mein Modell. Fotokino-Verlag Leipzig; fünf Auflagen mit insgesamt 95.000 Exemplaren. |
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Ausstellungen
www.klaus-ender.de/publikat/ausstellungen.html.
Wissenswertes
Lebensmotto:
»Schlägt die die Hoffnung fehl,
nie fehle dir das Hoffen
– ein Tor ist zugetan,
doch Tausend sind noch offen«.
(Friedrich Rückert)
Literatur
N.N.: »Die verborgenen Bildarchive der DDR« (Report), in: Foto Hits Magazin 05/2006: 90-95.
Netmarks
Art Photo Archiv & Galerie Klaus Ender,
www.klaus-ender.de.
Art Photo Klaus Ender,
www.klaus-ender.com.
DDR im WWW: Die schönste Seite der DDR - von Klaus Ender,
www.ddr-im-www.de/Galerie/Klaus-Ender/KE_Eingangsseite.htm.

