Klaus Ender

Klaus Ender (* 2. April 1939 in Berlin-Neukölln), deutscher Fotograf österreichischer Abstammung; erzielte zwischen 1964 und 1980 auf nationalen und internationalen Fotosalons über 60 Medaillen, Urkunden und Preise.

Leben und Werk

Kindheit: Weltkrieg und Vertreibung

Klaus Ender wurde am Vorabend des Zweiten Weltkriegs als uneheliches Kind geboren; Hitler war Reichskanzler und hatte im Januar die »Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa« angekündigt [1]; die Nürnberger Rassengesetze waren bereits größtenteils in Kraft und deutscher Truppen waren in Böhmen und Mähren einmarschiert. Enders Kindheit war durch Krieg und die Abwesenheit seines Vaters Theo (eigtl. Thaddäus) geprägt, der bereits Ende 1938 zum Kriegsdienst eingezogen worden war.

Nach der Trennung von Theo heiratete Enders Mutter Else um 1942 Theos Bruder Franz Ender und adoptierte den kleinen Klaus: »So kam es für mich [...] zur irritierenden Tatsache, dass mein leiblicher Vater mein Onkel und mein wirklicher Onkel zu meinem Vater wurde« (Ender 2004: 5). Allerdings verlor Klaus Ender bald auch seinen Adoptivvater, der ebenfalls zum Kriegsdienst eingezogen wurde, sowie als Folge einer Masernerkrankung 90 Prozent der Sehkraft seines linken Auges - und damit auch zeitlebens das räumliche Sehen (Ender 2004: 4).

Nach der bedingungslosen Gesamtkapitulation der Deutschen Wehrmacht [2] wurde Ender und seine Mutter von russischen Besatzungstruppen aus ihrer Wohnung in Landsberg vertrieben; zu Fuß folgte eine Flucht über die Oder bis nach Berlin und von dort mit dem Zug nach Wittenberge. Durch schlechte Hygiene und mangelhafte Ernährung erkrankte Ender - wie auch viele andere Flüchtlingskinder - immer wieder an verschiedenen Infektionskrankheiten und Geschwüren, wurde jedoch schließlich im September 1945 eingeschult. Auch nach der Währungsreform (1948) und der Gründung der DDR (1949) verbesserte sich die Versorgungslage nur sehr langsam, Enders Mutter heiratete jedoch erneut: der Tischler Albert wurde im Dezember 1950 Klaus' neuer Stiefvater.

Jugend: Ringkampfsport und Berufsausbildung

Die Suche nach einer Lehrstelle erwies sich für Ender aufgrund eines »mangelhaft« in Betragen als schwierig und verhinderte eine Ausbildung in seinem Wunschberuf Förster; stattdessen nahm er im September 1954 eine Beckerlehre auf und bestand ein Jahr später die Zwischenprüfung im Bäckerhandwerk. In dieser Zeit begann Ender in der Betriebssportgemeinschaft (BSG) »Lokomotive« mit dem Ringkampfsport in der Gewichtsklasse »Fliegengewicht« (Enders damaliges Kampfgewicht: 48 Kilo) bis 1957 wurde er zweiter und dritter Bezirksmeister des Bezirkes Schwerin und zweiter SV-Meister (Ender 2004: 42).

Übersiedelung in die BRD: Gesellenprüfung und erster Fotoapparat

Durch die Wiederbewaffnung der BRD - Beitritt zur EVG (1952) und zur NATO (1956) sowie Gründung der Bundeswehr (1955) - spitzte sich das Verhältnis zur DDR zu, die ihrerseits die Nationale Volksarmee gründete (1956); zudem wurden in der DDR ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend private Unternehmen enteignet, was bis 1956 rund 1,72 Millionen Bürger veranlasste, das Land in Richtung West-Berlin oder Westdeutschland zu verlassen; ab 1957 wurde »Republikflucht« dann offiziell als Straftatbestand betrachtet. In dieser angespannten politischen Situation verließ Ender im Mai 1957, kurz vor Abschluß seiner Beckerlehre, mit einem Interzonenpass die DDR; seine beharrliche Weigerung, an paramilitärischen Übungen teilzunehmen, hätte ein erfolgreiches Ablegen der Facharbeiterprüfung verhindert (Ender 2004: 44 f.). Über Hamburg gelangte er nach Baienfurt bei Weingarten und schließlich nach Friedrichshafen, wo er auch seine Gesellenprüfung folgreich ablegte.

In Friedrichshafen kam Ender auch erstmals ktiv mit der Fotografie in Kontakt; von Erspartem und seinem ersten Gesellenlohn zahlte er seine erste Kamera an: eine Kodak Retina 1b mit Lichtstärke 2,8 und einem Synchro-Compur-Verschluss. Fotografische Kenntnisse eignete er sich durch die Bedienungsanleitung der Kamera und Studium der Broschüre »Wie fotografiere ich« an (Ender 2004: 52 f.). Ender nahm auch seine Ringsporttätigkeit wieder auf, trat in den Ringerverband SV-29 Kempten ein und wurde bei den schwäbischen Meisterschaften 1958 Vizemeister. Trotz dieser Erfolge wurde Ender im »Westen« nicht heimisch, erwog die Auswanderung nach Australien und plante schließlich seine Rückkehr in die DDR.

Rückkehr in die DDR: Vater, Schichtarbeiterund Amateurfotograf

Im Juni 1958 kehrte Klaus Ender mit dem Fahrrad über Würzburg, Bamberg und Hof in die DDR zurück; für drei Wochen wurde er in einem Umerziehungslager bei Rudolphstadt (Thüringen) politisch 'geschult' und schließlich wieder eingegliedert. Er nahm eine Tätigkeit als Bäcker in der HO auf, kehrte zu seiner alten Ringermannschaft zurück und lernte im Frühsommer 1959 die 16-jährige Margret kennen, mit der er die Tochter Sylvia zeugte. 1960 schloss er sich einem Fotoclub in Wittenberge an.

Um die kleine Familie ernähren zu können, nahm Ender eine Tätigkeit als Zellstoff-Kocher in den Zellstoff-Zellwollewerken Wittenberge auf; die harte und schwer gesundheitsschädigende Arbeit im Drei-Schicht-System verbesserte zwar Enders finanzielle Situation, brachte ihm jedoch auch eine Blutvergiftung und Furunkeln ein. Auf ärztliche Anweisung mußte er seine Arbeitsstelle wechseln und arbeitete darauf als Hilfsdreher im Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Wittenberge. Hier wurde er bald erneuten Agitationen ausgesetzt, sich 'freiwillig' bei der Nationalen Volksarmee (NVA) zu melden; auch diesem Druck widersetzte sich Ender.

Eine geplante Hochzeit mit der nunmehr 18-jährigen Margret scheiterte in letzter Minute, und Ender trat die Hochzeitsreise in Bansin auf der Insel Usedom alleine an. Einige Monate später folgte die Versöhnung, und Ender erhielt von Margret zu Weihnachten eine Filmentwicklungsdose geschenkt - der Beginn einer intensiven Beschäftigung mit der Labortechnik. Fortan widmete sich Ender mit wachsendem Interesse der Amateurfotografie und der Dunkelkammerarbeit. 1961 nahm er dann auch an der ersten Kreisfotoschau in Wittenberge teil, war jedoch noch immer im Ringkampfsport aktiv. Auf Drängen seine Partnerin widmete er sich jedoch verstärkt der Fotografie, bis Margret im Januar 1962 nach einem Streit im Freitod aus dem Leben schied.

Schuldgefühle und der schwere Verlust führten bei Ender zu einer Art Nervenzusammenbruch; er begab sich in psychologische Betreuung und wurde mit Psychopharmaka behandelt. Trotz langsamer Besserung des Gesamtzustands blieben schwere Kopfschmerzen, die Ender fortan sein Leben lang begleiten sollten.

Perspektivwechsel: Ostsee und Aktfotografie

Ender zog 1962 nach Rügen, wo er 1964 den Fotoclub Sassnitz gründete und leitete; arbeitete in der DDR als Volkskorrespondent; veröffentlichte 1964 in einer westdeutschen FKK-Zeitschrift Aktfotografien; 1966 begann er in Binz seine Laufbahn als freischaffender Fotograf; 1969 veröffentlichte er in der Neuen Berliner Illustrierten Aktfotografien. Sein erstes Buch »Mein Modell« erschien 1970 im Fotokino-Verlag Leipzig.

1972 zog Ender nach Potsdam; in den kommenden Jahren gelang ihm der Durchbruch zu einem der führenden Fotografen der DDR; das Fernsehen der DDR drehte drei Filme über seine Arbeit; Zusammenarbeit mit über 50 Verlagen; wurde einer der meist publizierten Aktfotografen der DDR und war ständiger Autor im »Eulenspiegel« und in »Das Magazin«.

1975 rief er mit Gerd Rattei die erfolgreichste Fotoausstellung in der DDR »Akt & Landschaft« ins Leben, die in sechs Städten von über 100.000 Menschen gesehen wurde. 1978 wurde »Akt & Landschaft« als Triale ins Kulturprogramm der DDR aufgenommen und zum Leistungsvergleich der Fotografen der DDR erhoben. Ender leitete die Arbeitsgruppe »Farbfotografie« des Landes Brandenburg, war künstlerischer Leiter des Automobilwerkes Ludwigsfelde und Werbefotograf der VVB TAKRAF. Auszeichnung mit der Ehrennadel für Fotografie in Bronze, Silber und Gold. 1979 Auszeichnung des Weltverbandes für Kunstfotografie (FIAP) mit dem internationalen Ehrentitel ARTISTE FIAP (AFIAP).

1981 Übersiedlung nach Österreich, 1989 internationaler Durchbruch. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, darunter Poesie- und Bildbände sowie Fach- und Lehrbücher; 1. Preis für das »Tourism Poster of the Year« beim »World Travel Market« in London. Gründung des »Art Photo Archiv Klaus Ender«.

In den 1990er Jahren Durchführung von Workshops für Color Foto, Veröffentlichungen in der deutsch-schweizerische Zeitschrift PHOTOGRAPHIE und in über einem Dutzend internationaler Fachzeitschriften. Über 50 Kalender, über 100 CD-Cover u.a.

1996 Rückkehr zur Insel Rügen. Zwischen 1997 und 2002 insgesamt zwölf Fotoausstellungen auf Hiddensee, Rügen, in Malchow, Magdeburg und bei Leica in Solms.

Am 2. Dezember 2004 erschien seine Autobiografie »Die nackten Tatsachen des Klaus Ender - Ein Leben zwischen Ost und West« im WEVOS Verlag.

Wissenswertes

Lebensmotto:

»Schlägt die die Hoffnung fehl,
nie fehle dir das Hoffen
- ein Tor ist zugetan,
doch Tausend sind noch offen
«.
(Friedrich Rückert)

Veröffentlichungen

* Schwarzweißer Frauenakt (ohne Titel), in: ''Fotokinomagazin'' 6 (1966): 160 (= II. Umschlagseite) * Schwarzweißer Frauenakt (ohne Titel), in: ''Fotokinomagazin'' 7 (1969): 218

Literatur

N.N.: »Die verborgenen Bildarchive der DDR« (Report), in: Foto Hits Magazin 05/2006: 90-95. und 6/2006 "Der letzte Akt der DDR?", http://www.klaus-ender.de/pdf_dateien/akt_ddr%20FotoHit.pdf DDR im WWW: Die schönste Seite der DDR - von Klaus Ender,
www.ddr-im-www.de/Galerie/Klaus-Ender/KE_Eingangsseite.htm. "Akt im Osten", in: ''Foto Community Plus'' 3-2011 "Kleine Freiheit - Aktfotografie in der DDR", in: ''Photographie'' 7-8/2009

Ausstellungen

Termin und Titel Ausstellungsort
30.01.2012
Klaus Ender: Akt & Landschaft

Societät Rostock maritim eV Schifffahrtsmuseum, August-Bebel-Straße 1, 18055 Rostock, Germany
09.10.2011 - 27.11.2011
Klaus Ender: Akt & Landschaft

Markt 21, 06449 Aschersleben, Germany
29.11.2009
Klaus Ender: Akt & Landschaft - Bild & Lyrik

Putgarten, Germany
12.10.2009 - 24.10.2009
Klaus Ender: Akt & Landschaft

Grünhufer Bogen, 18437 Stralsund, Germany
24.04.2009 - 26.07.2009
Klaus Ender: Akt & Landschaft
›Photographien zum 70. Geburtstag‹

Wernigerode Castle, Am Schloß 1, 38855 Wernigerode, Germany
16.03.2008 - 15.06.2008
Klaus Ender: Akt & Landschaft

Städtisches Klinikum Brandenburg, Hochstraße 29, 14770 Brandenburg an der Havel, Germany

Publikationen

Veröffentlichungen aus dem Bereich der Aktfotografie und der erotischen Fotografie (Sortierung nach Erscheinungsdatum in umgekehrt chronologischer Reihenfolge, also Neueste zuerst).

Titel Typ
Klaus Ender: Meine schönsten Enthüllungen (Cover) 2012 Meine schönsten Enthüllungen
›Fünf Jahrzehnte poesievolle Aktfotografie‹

Gebunden · 1. Aufl. · 240 Seiten · 262 Abb.

bei 
ISBN 978-3-00-036710-6
Klaus Ender: Die nackten Tatsachen des Klaus Ender (Cover) 2004 Die nackten Tatsachen des Klaus Ender
Ein Leben zwischen Ost und West - Autobiographie von Klaus Ender

bei 
ISBN 978-3937547039
Klaus Ender und Hansgeorg Stengel: Akt mit Takt (Cover) 1997 Akt mit Takt

Broschur · 1. Aufl. · 128 Seiten · 61 Abb.

bei 
ISBN 978-3980594202
Mein Modell

1. Aufl. · 54 Seiten · 26 Abb.

bei